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Farbe als Sprache – wenn Pinsel sagen, was Worte nicht können

Es gibt Momente, in denen Sprache versagt. Nicht weil die Worte fehlen – sondern weil sie zu eng sind. Zu linear. Zu laut.

Genau in diesen Momenten greife ich zum Pinsel.

Farbe denkt anders

Farbe ist keine Dekoration. Sie ist Haltung. Ein tiefes Blau sagt etwas über Stille, das kein Satz je vollständig ausdrücken könnte. Ein aufbrechendes Rot erzählt von Energie, die sich nicht mehr zurückhalten lässt. Und ein gebrochenes Weiß – das ist vielleicht das Ehrlichste von allem: die Farbe des Noch-nicht-Fertigen.

In meiner Arbeit ist Farbe nie zufällig. Jede Entscheidung – ob bewusst oder aus dem Bauch heraus – trägt eine Bedeutung. Manchmal erkenne ich diese Bedeutung erst Wochen später, wenn ich ein Bild wieder ansehe und denke: Ah. Das war also das, was ich damals nicht sagen konnte.

Kontrolle loslassen – und trotzdem da sein

Meine aktuelle Ausstellung „Kontrolle & Loslassen“ trägt diesen inneren Widerspruch bereits im Titel. Denn das ist es, was mich als Künstlerin täglich beschäftigt: Wie viel Struktur brauche ich – und ab wann wird Struktur zur Falle?

Ich habe gelernt: Die besten Bilder entstehen nicht trotz des Loslassens, sondern durch es. Wenn ich aufhöre, das Ergebnis zu kontrollieren, und anfange, dem Prozess zu vertrauen – dann passiert etwas. Etwas, das ich allein mit Planung nie hätte erschaffen können.

„Das Bild weiß oft mehr als ich. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören.“

Weiblichkeit, Spiritualität und die Frage nach dem Ich

Meine Themen sind nicht zufällig. Weibliche Identität, Spiritualität, gesellschaftlicher Wandel – das sind keine abstrakten Konzepte für mich. Das ist gelebte Realität. Ich bin in Ostdeutschland aufgewachsen, mit Fragen statt Antworten. Und diese Fragen haben mich nie losgelassen.

Was bedeutet es, Frau zu sein – heute, in dieser Zeit, mit dieser Geschichte? Was bedeutet es, zu glauben, ohne sich einengen zu lassen? Was bedeutet es, Kunst zu machen, die nicht nur schön ist, sondern auch wahr?

Diese Fragen fließen in jedes meiner Werke ein. Nicht als Antworten – sondern als offene Räume. Als Einladung, selbst nachzudenken.

Kunst als Begegnung – nicht als Produkt

Ich glaube nicht an Kunst, die nur an der Wand hängt und wartet. Ich glaube an Kunst, die etwas auslöst. Die einen Raum verändert – nicht nur optisch, sondern atmosphärisch. Die jemanden dazu bringt, innezuhalten und sich selbst zu fragen: Was fühle ich gerade? Und warum?

Deshalb biete ich auch Kurse an, in denen Menschen – Kinder wie Erwachsene – Kunst als Werkzeug der Selbstreflexion entdecken können. Denn Kreativität ist kein Talent. Sie ist eine Haltung. Und diese Haltung kann jeder entwickeln.

Was kommt als Nächstes?

Die Wanderausstellung „Maria heute – Die Frau im Wandel der Zeit“ ist seit 2025 unterwegs und bringt Fragen über weibliche Identität, Spiritualität und gesellschaftlichen Wandel an neue Orte. Ich freue mich auf jeden Raum, der nicht nur Ausstellungsfläche ist – sondern Resonanzraum.

Wenn du Teil dieser Begegnung sein möchtest – als Besucher, als Kooperationspartner oder als Kursteilnehmer – dann melde dich. Ich freue mich auf den Dialog.

— Susan Richter | colourout

 
 
 

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